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Dr. med. vet. Karsten Hesse

geb. 1964 in Marburg a. d. Lahn, Studium der Veterinärmedizin in Hannover und Gießen. Promotion am Institut für Veterinärphysiologie in Gießen. Seit neun Jahren niedergelassen in eigener Praxis und seit dieser Zeit „Freizeitmusher“ mit zwei Alaskan Malamute of Rainbow- Kennel in den Kategorien S und C2 oder mit Siberiern des Icebell’s Kennel von Christof Diehl und Angelika Merkel.
Seit acht Jahren Betreuung von Schlittenhundesprintrennen und aktives Mitglied der ISDVMA (International Sled Dog Veterinary Medical Association).

Wasserverbrauch des Schlittenhundes

Das Überlastungsphänomen des Schlittenhundes
Ich möchte in diesem Artikel bewußt nicht in Überhitzung oder Wasser- und Elektrolythaushalt des Schlittenhundes trennen (im übrigen gelten die Daten auch für andere Hunde, die im Ausdauersport eingesetzt werden), da beiden Bereichen äußerst komplexe physiologische Mechanismen zu Grunde liegen, auf die ich hier nicht näher eingehen kann. In der Praxis sind ohnehin beide Bereiche nicht exakt voneinander zu trennen und wirken kombiniert auf den Hund ein. Ich möchte hier deshalb nur die verständlichen und auch umsetzbaren Dinge darstellen und erhebe keinen Anspruch auf wissenschaftliche Komplettheit. Zu Beginn möchte ich eine sehr anschauliche Graphik vorstellen. Diese zeigt die möglichen Wege des Wassers, den Körper des Hundes zu verlassen. Da Wasser das wichtigste Element des Lebens ist, sei die Thematik an diesem orientiert!

In dieser Grafik ist die Balance zwischen Wasseraufnahme und Wasserabgabe dargestellt. Die Angaben an der linken, senkrechten Achse zeigen den Anteil in Prozent, die absoluten Zahlen der Säulen beziehen sich auf einen Tag (24 Stunden). Die Möglichkeiten der Wasseraufnahme bestehen für den Hund durch Futter (ca. 40%) und Wasser (ca. 55%) und einem Teil aus der körpereigenen Fettverbrennung (ca. 5%), je nach Futterzusammenstellung variieren diese Anteile. Für den Wasserverbrauch gilt, dass Wasser über Kot, Urin und die Atmung ausgeschieden wird. Egal zu welcher Leistungskategorie der Hund gerechnet wird, der über den Kot ausgeschiedene Wasseranteil bleibt mit ca. 8% ziemlich konstant. Bei Durchfallerkrankungen steigt dieser Anteil natürlich drastisch an und ist im Sport auf jedenfall zu berücksichtigen!!! Je länger anhaltend die Belastung des Hundes ist, je mehr verschiebt sich der prozentuale Anteil der Wasserausscheidung vom Urin hin zur Atmung. Dies liegt darin begründet, daß ein Hund seine Körpertemperatur nicht durch Schwitzen, sondern durch Hecheln und damit Wasserverdunstung über die Schleimhäute der Zunge und des Atmungstraktes reguliert. Absolut gesehen verliert ein Hund, der ein Sprintrennen am Tag läuft 1,3 l Wasser über den Urin (Ruhezustand ca. 1 l) und 1 l über die Atmung (Ruhezustand ca. 0,5 l).
Hier läßt sich die Wichtigkeit einer vernünftigen Wässerung erkennen. Der Haupt-grund, der durch mangelnde Wässerung entstehenden Einbrüche ist schlechte Kondition (Trainingsmangel/Doping/Krankheit). Das vegetative System (reguliert u.a. wichtige Kreislauffunktionen) kann der Hund nicht aktiv beeinflussen, deshalb muß es trainiert werden. Weiter ist es leider oft üblich, den Hunden im Sommer miserables Futter zu verabreichen und vor dem ersten Rennen high tech Futter mit hohen Energiedichten, es ist logisch (und auch ein Wunder), daß der Fettstoffwechsel der Tiere sich erst anpassen muß! Morgens oder 2 Stunden vor dem Rennen/Training (!) sollte jeder Hund gewässert werden, hierzu sollte das Wasser mit Fleischsaft o.ä. etwas schmackhaft gemacht werden. Je nach Zusammensetzung des Trockenfutters (kochsalzarm oder reich) sollten diesem Wasser 2- 4 g NaCl (Kochsalz) zugesetzt werden, um die Wasseraufnahme zu erhöhen. Eine halbe Stunde vor dem Rennen/Training sollte darauf geachtet werden, daß die Hunde ca. einen halben Liter Wasser aufnehmen (ohne Zusätze/es bedarf hier sicher je nach Hund einiges an Zeit). Am Anfang der Saison auf jeden Fall Ausdauertraining durchführen, d.h., mehr Kraft und weniger Tempo und eher höhere Distanzen als in den bei uns gewohnten Sprintrennen trainieren. Schneller Trab ist erlaubt, auf Kommando sollte aber Galopp möglich sein (schonendes, intelligentes Training bedeutet nicht Freikarte für Disziplinlosigkeit). Durch dieses „Überdistanztraining“ wird der Anfangsstress (beeinflußt das vegetative Nervensystem ebenfalls) abgebaut und der Zellstoffwechsel des Hundes trainiert. Dopingmittel wirken immer auf das vegetative Nervensystem und sind deshalb abzulehnen, ein Hund, der wegen Krankheit Arzneimittel verabreicht bekommt, ist ebenso zu schonen!
Die Wärmeabgabe während der Aktivität wird zentral über den Hypothalamus (Thermostat) reguliert. Durch Erweiterung der peripheren Blutgefäße kann ein Teil der Wärme über die Körperoberfläche abgegeben werden. Durch die gute Fellisolation des Hundes aber nur sehr begrenzt. Umgekehrt kann der Hund über die Körperoberfläche erwärmt werden (Sonne - dunkler Hund!). Effektivste Möglichkeit ist das Hecheln (vorausgesetzt genug körpereigene Flüssigkeit ist vorhanden! Wässern!). Gute Verdunstung geht nur bei nicht zu hoher rel. Luftfeuchte der Umgebung.

Beispiel: Nach einem kalten, trockenen Wintertag am Rennsamstag folgt ein Tiefdruck mit hoher Luftfeuchte und ca. 8° C. Hier ist extreme Gefahr der Überhitzung, da die Verdunstung nur eingeschränkt funktioniert. Hier hilft nur, Hunde gut beobachten und ggf. Tempo rausnehmen! (Erste Anzeichen des Hundes, extrem starkes Hecheln bei weit aufgerissenem Fang, dabei Kopfüberstreckung).

Zweites Beispiel: Warmer Frühlingstag, ca. 10°C, Sonne, Wolken, mittlere rel. Luftfeuchte. Verdunstung ist gegeben, aber hier starke Erwärmung durch die Körperoberfläche. Diese kann vermindert werden durch Anfeuchten des Fells vor dem Start oder gleiche Maßnahmen wie oben.

Letztes Beispiel: Alpines Wetter, -10°, Sonne, extrem trockene Luft: Thermoregulation funktioniert optimal, aber hier besteht erhöhte Gefahr des Kreislaufkollapses durch Austrocknung, da mehr Wasser durch Hecheln als in den feucht/warmen Klimazonen abgegeben wird.

Und wenn es doch passiert: Nach packenden Rennen fängt der Hund im Ziel an zu torkeln, das Herz rast, die Schleimhäute blutrot unterlaufen. Dieser Hund ist unverzüglich durch Helfer aus dem Trubel zu entfernen. Die Schleimhäute des Maules und das Fell sind mit Wasser zu kühlen oder mit Schnee einzureiben, nach Möglichkeiten den Hund führen, leicht gesalzenes Wasser anbieten, später klares Wasser, nach Möglichkeit handwarm (wird schneller aufgenommen) anbieten. In der ersten Phase des Kollapses kein Effortil, dieses erst später, wenn der Hund Wasser aufgenommen hat, da sonst Schocksymptomatik verstärkt wird. Bei einer starken Überhitzung kommt es zu irreversiblen Schäden im Thermoregulationszentrum des Hundes, d.h., der betroffene Hund wird in Zukunft schneller überhitzen und ist eventuell nicht mehr teamtauglich.

Bei einem guttrainierten Team sollte direkt nach dem Ziel Wasser angeboten werden. Die Regenerationszeit kann verkürzt werden in dem 1g Glukosepolymer/kg Hund verabreicht werden.
Glukosegabe vor dem Rennen hat beim Hund keinen Effekt!!!