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DVM Dagmar Kriegler
DSSV Verbandstierarzt
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Verletzung bei Schlittenhunden
im Pfoten-, Gelenks- und Muskelbereich
und Möglichkeiten der Versorgung
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1. Verletzungen im Bereich der Pfoten
1.1. Krallen
Die Krallen des Schlittenhundes können reißen oder brechen. Liegen oberflächliche Einrisse in Längsrichtung der Krallen vor, können diese mit Superkleber verklebt werden.
Kommt es zu einem Bruch der Kralle oder zu einem Querriß, ist die Kralle an der Bruchstelle abzuschneiden und die auftretende Blutung mittels geeigneter Medikamente (z B Lotagenlösung) zu desinfizieren und die Blutung zu stillen (ebenfalls Lotagenlösung, Gelaspon oder Elektrokauter u.ä.).
Bakterielle Infektionen im Krallenbereich können eine Nagelbettentzündung auslösen. Badungen mit WasserstoffperoxidIösung oder Kaliumpermanganat sowie eine antibiotische Salbenbehandlung erscheinen sinnreich.
1.2. Ballen und Zwischenzehenbereich
Durch Bildung von Eisklümpchen kommt es im Zwischenballenbereich zum Verlust der schützenden Behaarung und einer beginnenden Entzündung. Scharfkantiges Eis und harte Trails können zu Minitraumen in diesem sehr sensiblen Bereich führen, die dann eben-falls in einer Infektion enden können.
Sinnreich ist die Verwendung von Lebertranzink- oder Betaisadonasalbe mit oder ohne Antibiotika- bzw. Dexamethasonzusatzen
Es liegt in der Verantwortung des Mushers, die Trailbeschaffenheit vor dem Lauf zu überprüfen, um über die Notwendigkeit des Einsatzes von Booties zu entscheiden. Ebenso ist es wichtig, die Pfoten nach dem Lauf auf mögliche Abschürfungen oder Miniverletzungen zu untersuchen.
Großen Einfluß auf die Gesundheit der Ballenhaut hat eine optimale Fütterung. Empfehlens-wert ist die Behandlung der Ballen vor dem Training oder Rennen mit entsprechenden Pfotenfetten.
Sollte es zu einer Verletzung der Ballenhaut kommen, gibt es die Möglichkeit, kleine Defekte durch Verwendung von Moskin und einen Bootie zu schützen.
1.3. Mittelfußknochen
Durch Überlastung kann es eher bei Sprinthunden zur Ermüdungsfraktur des 3. oder 4. Mittelfußknochens kommen. Der Hund lahmt stark, und gehört in die Hand des Tierarztes. Ehe eine Behandlung möglich ist, sollte der betroffene Fuß ruhiggestellt werden.
Das Trauma schädigt nicht nur den Knochen, sondern beschädigt gleichfalls die umgebenen Weichteile wie Haut, Nerven, Sehnen, Gefäße und Muskelansätze bzw. Bei einer Fraktur im Gelenkbereich den Knorpel und die Bänder.
2. Gelenke
2.1. Mittelfußgelenk
Stauchungen und Zerrungen im Bereich des Mittelfußgelenkes nach laufen im Tiefschnee oder treten in ein Schneeloch ist eine häufiger auftretende Verletzung des Middle Distance und Longtrailhundes. Ebenso betroffen sein können Sprinthunde bei sehr harten festen Trails und Hunde, die ungenügend trainiert sind oder zu jung im Training eingesetzt werden. Die Behandlung erfolgt mit Algyval oder Kühlgel. Günstig ist eine Bandage anzulegen, wobei darauf zu achten ist, daß die ganze Pfote eingebunden wird, um so Stauungen zu vermeiden Der Verband sollte mindestens 4 Stunden angelegt bleiben.
Physiotherapeutische Maßnahmen wie der Einsatz eines Softlasers sollten dem Renntierarzt vorbehalten bleiben.
Neben Zerrungen der Bänder und Sehnen kann es nach schweren Traumen zu Einrissen der Gelenkkapsel kommen. In solchem Falle sollte als erste Maßnahme ebenfalls ein Verband angelegt und der Renntierarzt hinzugezogen werden.
2.2. Ellbogen
In seltenen Fällen kann es zu einer Luxation des Ellbogengelenks ohne Zerreißung aller Gelenkbänder kommen.
Verletzungen dieser Art gehören in die Hand des Tierarztes, um eine entsprechende Behandlung zu gewährleisten.
2.3. Schulter
Bei den Schulterverletzungen muß man unterscheiden in Verletzungen des Schultergelenkes, des Schulterblattes und Verletzungen der umgebenen Muskulatur, Sehnen und Bänder. Bei Schlittenhunden kann es durch Überlastung zu einer Entzündung des Schleimbeutels der Bicepssehne kommen Der Hund lahmt, beugt oder streckt man die Extremität zum Schultergelenk hin, äußert der Hund Schmerz.
Durch das Laufen in Tiefschnee oder wiederum treten in ein Schneeloch, kann die Schultermuskulatur Zerrungen oder auch Muskelfaserrisse erleiden.
Der Musher sollte im Falle einer Zerrung die verletzte Schulter des Hundes mittels Wärmflasche oder Decke warmhalten.
Als Einreibung empfiehlt sich ein durchblutungsförderndes, entzündungshemmendes Medikament. Verletzungen des Schulterblattes bzw. des Schultergelenkes bedürfen immer einer tierärztlichen Betreuung.
2.4. Wirbelsäule
Durch den Einfluß schwerer Traumen (z.B. Mitschleifen eines Hundes nach Gespannverlust) kann es zu Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule in Form von Frakturen, Quetschungen u ä. kommen.
Der Hund muß ruhig gelagert werden (Schock beachten) und gehört in die Hand des Tierarztes.
Durch Überbelastung, ungenügende Erwärmung oder zu wenig Training kann sich die Lendenmuskulatur verspannen. Der Hund sollte massiert mit geeigneten Sportölen (Algyval, Viol aktiv, Körpermassageöl) werden. Vor einer erneuten Leistungsanforderung ist eine entsprechende Erwärmung des Hundes durchzuführen. Verweigert der Hund trotz der durchgeführten Maßnahmen und ist weiterhin stark verspannt, muß das Tier einem Tierarzt vorgestellt werden.
2.5. Knie
Ein auftretendes Trauma des Kniegelenks sind Bißverletzungen mit Eröffnung der Gelenkkapsel oder Risse des Kreuzbandes. Es sind fast immer Unfallverletzungen und ihre Behandlung gehört in die Hand des Tierarztes.
2.6 Sprunggelenk
Luxationen dieses Gelenkes treten durch Bänderrisse, Abrißfrakturen oder Abscheren der mittleren oder seitlichen Bandansätze auf und müssen operativ behandelt werden.
3. Traumen von Sehnen und Muskeln
3.1. Archillessehnenabriß
Entweder reißt die Sehne im Muskel aus - oder vor oder im Ansatz am Fersenbein. Bei Schlittenhunden passiert dies besonders bei Longdistancehunden als Ermüdungserscheinung der Sehne. Der Hund tritt durch, es ist keine Stabilität im Sprunggelenk mehr vorhanden.
Die Therapie besteht in einer Operation.
Außerdem können Schnittverletzungen die Sehne durchtrennen, die dann ebenfalls operativ verbunden werden muß.
3.2. Riß des Muskel gracilis
Bei aktiven Rennhunden kann durch einen teilweisen Riß des Muskel gracilis eine eigroße Schwellung an der Innenseite des Oberschenkels auftreten.
Bei entsprechender Schonung füllt sich der Riß mit Narbengewebe aus. Wird der Hund wieder im Training oder im Rennen eingesetzt, besteht bei zu kurzem Pausieren die Gefahr des erneuten Auftretens.
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