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ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE
DES WEIBLICHEN GESCHLECHTSSYSTEMS
Am hinteren Nierenpol liegen beidseits die 1-2 cm großen Eierstöcke. Sie sind nicht nur Produktionsstätte der Eizellen, sondern auch der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron. Im Eierstockaufbau unterscheidet man Mark (Gefäße) und Rinde (Tausende Eizellen in Primärfollikeln). Aus diesen Primärfollikeln entstehen zunächst Sekundärfollikel, dann Tertiärfollikel aus denen mit dem Eisprung (Ovulation) die Eizellen freigegeben werden. Die Reste der Follikel bilden sich zu Gelbkörpern um, welche das Schwangerschaftsschutzhormon (Progesteron) produzieren.
Die Eizellen werden von der trichterförmigen Erweiterung des Eileiters aufgenommen. Dieser enge, 6-10 cm lange, dünnwandige Schlauch verbindet den Eierstock mit der Gebärmutter. Der Eileiter dient nicht nur zum Transport der Eizellen, sondern er ist gleichzeitig Ort der Befruchtung.
Die Gebärmutter stellt den erweiterten Teil des Geschlechtsapparates dar und liegt fast vollständig in der Bauchhöhle. Sie wird in zwei Gebärmutterhörner, den Körper und den Hals unterteilt. Die Stärke und die Bestandteile (Drüsen, Blutkapilllare) der Gebärmutterschleimhaut variieren zyklusabhängig.
Die sich anschließende Scheide verläuft zunächst horizontal und knickt im Beckenausgang nach unten ab. Sie dient als Kopulationsorgan.
GESCHLECHTSZYKLUS
Hunde sind saisonal monoöstrisch, das heißt sie werden meist zweimal im Jahr läufig. Die Intervalle zwischen den Läufigkeiten betragen durchschnittlich 5-7 Monate, wobei es Unterschiede zwischen und innerhalb der Rassen gibt. Beim Einzeltier bestehen relativ konstante Brunstintervalle.
Zyklusphasen:
- Proöstrus = Vorbrunst, Dauer 7-13 Tage, Anschwellung der Scheide, blutiger bis fleischwasserähnlicher Scheidenausfluß, Rüden werden abgewehrt
- Östrus = Brunst, Dauer 3-8 Tage, angeschwollene Scheide, Scheidenausfluß wird heller und nimmt ab, Deckbereitschaft
- Metöstrus = Nachbrunst, Dauer 9-12 Wochen, Abschwellen der Scheide, eventuell Anzeichen einer Scheinträchtigkeit
- Anöstrus, Dauer 2-4 Monate, fehlen jeglicher Anzeichen eines Sexualzyklus
FRUCHTBARKEITSSTÖRUNGEN- PATHOLOGIE DES WEIBLICHEN GESCHLECHTSSYSTEMS
Läufigkeitsstörungen
Anöstrie = Ausbleiben der Läufigkeit durch eine Unterfunktion oder eine Nichtfunktion der Eierstöcke. Es kann keine Befruchtung stattfinden. Die äußeren Läufigkeitssymptome treten meist unverändert auf. Eine Besonderheit ist die Weiße Hitze, eine Läufigkeit mit fast keinen oder keinen äußeren Anzeichen.
Eine verlängerte Läufigkeit kann zum Einen durch eine verlängerte Vorbrunst zustande kommen. Die Proöstrusblutung hält länger als 21 Tage an. Die Hündin ist nicht deckbereit. Auch eine längere Brunst kann zu einer verlängerten Läufigkeit führen. Die Deckbereitschaft ist länger als 12 Tage, der Eisprung bleibt häufig aus. Durch den langen Östrogenhochstand kann es vermehrt zum Auftreten von Gebärmutterentzündungen kommen.
Beim sogenannten Splitöstrus verläuft die Vorbrunst zunächst normal ab. Die typischen Brunstsymptome setzen ein. Plötzlich weist die Hündin den Rüden aber ab. Die richtige Brunstphase setzt erst einige Tage später ein.
Eierstockserkrankungen
Hormonelle Störungen sind eine häufige Ursache für Eierstockserkrankungen . So verursachen persistierende oder zystische Follikel einen Östrogenhochstand. Ein zystischer Gelbkörper führt zur ständigen Progesteronproduktion. Durch solche Veränderungen am Eierstock stehen die Hormone im Ungleichgewicht, die Läufigkeit kann nicht normal ablaufen. Auch Hormonbehandlungen können zu diesen Veränderungen führen.
Tumore treten an den Eierstöcken relativ selten auf. Der häufigste Tumor ist der Granulozelltumor. Dieser meist gutartige Tumor produziert Östrogene, welche das klinische Bild einer hormonell bedingten Gebärmutterentzündung mit Haarkleidveränderungen sowie vergrößerter Scham bedingen.
Gebärmuttererkrankungen
Eine der häufigsten Gebärmuttererkrankungen ist die Pyometra. Was bedeutet eigentlich Pyometra? Dies ist eine Ansammlung von eitrigen oder blutig-eitrigen Exsudaten (Ausflüsse) in der Gebärmutter bei verschlossenem Muttermund. Wie kommt es dazu? Zum Läufigkeitsende ist der Muttermund noch nicht keimdicht verschlossen und Keime können so ungehindert eintreten. Da die Abwehrbereitschaft der Gebärmutter zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt ist, kommt es zur lokalen Infektion. Die Keime vermehren sich und Giftstoffe werden gebildet. Der Muttermund ist inzwischen geschlossen und das gebildete Sekret kann nicht abfließen. Durch die zunehmende Füllung mit eitriger Flüssigkeit kommt es zum Auftreten der typischen Krankheitssymptome wie: meist hochgradig gestörtes Allgemeinbefinden, extrem vermehrtes Trinken (2-3 mal mehr, als sonst), Fieber, schlechte oder keine Futteraufnahme. Meist ist in der Scheidenregion ein schmierig eitrig-blutiger Ausfluß zu beobachten. In solch einem Fall ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen. In den meisten Fällen wird er zur sofortigen Operation raten.
Eine weitere Erkrankung ist die Gebärmutterentzündung. Sie entsteht häufig durch Hormonstörungen oder nach Hormonbehandlungen. Das Allgemeinbefinden ist gestört, die Scheide leicht vergrößert und Ausfluß ist zu sehen.
Scheidenerkrankungen
Scheidenerkrankungen können in verschiedenen Altersstadien auftreten. So ist die Vaginitis (Scheidenentzündung) eher eine Erkrankung der Junghunde, während Tumore an der Scheide eher bei älteren Tieren auftreten. Die Symptomatik ist aber sehr ähnlich. So kommt es zu Ausfluß, Leckreiz und Harnträufeln. Die Hündinnen sind für Rüden attraktiv.
JUNGTIERVAGINITIS
Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 5-7 Monate alten Tieren, aber auch 8-10 Wochen alte Welpen können betroffen sein. Die Hündinnen haben eitrigen Scheidenausfluß, die Scheide ist stark gerötet. Das Allgemeinbefinden ist meist ungestört. Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch nicht ausreichend geklärt. So sollen immunologische Reaktionen, Hormonmangel, Fütterungseinflüsse und Bakterien eine Rolle spielen. Spülungen und Antibiotikagaben können eine vorübergehende Besserung bringen. Eine endgültige Heilung erfolgt erst bei Eintritt der Geschlechtsreife ein.
SCHEIDENTUMORE
Sie treten meist bei älteren Tieren (6-8 oder älter) auf. Zu 75% sind sie gutartig. Es kommt zu Vorwölbungen aus der Scheide. Die Hündin hat Probleme beim Harnabsetzen. Eine chirurgische Entfernung ist anzuraten.
SCHEIDENVORFALL
Diese Krankheit tritt meist während er 1. oder 2. Läufigkeit auf. Durch eine übermäßige Hormonbildung kommt es zu vermehrter Ödematisierung (Wassereinlagerung) des Scheidengewebes. Meist ist eine chirurgische Entfernung durch den Tierarzt notwendig. Bei der nächsten Läufigkeit kann es allerdings wieder zum Auftreten eines solchen Vorfalls kommen. In einem solchen Fall ist eine Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter zu empfehlen.
Auch Mißbildungen wie Scheidenspangen, Scheidenverengungen können bei einer Hündin auftreten.
Gesäugeerkrankungen
MASTITIS= GESÄUGEENTZÜNDUNG
Eine Gesäugeentzündung tritt meist im Anschluß ans Werfen, aber auch bei scheinträchtigen Hündinnen oder nach Verletzungen auf. Typische Anzeichen einer akuten Entzündung sind Schwellungen der einzelnen Gesäugekomplexe, vermehrte Rötung und Schmerzhaftigkeit, sowie wässrig eitriges oder blutiges Sekret. Eine antibiotische Behandlung und kühlende Salben sind zu empfehlen.
GESÄUGETUMOREN
Gesäugetumoren treten meist bei älteren Hündinnen (älter als 6 Jahre) auf. Bei Hündinnen, die kurz vor oder nach der ersten Läufigkeit kastriert wurden, ist die Gefahr des Auftretens von Gesäugetumoren wesentlich geringer. Auch wiederholte Hormonbehandlungen (Läufigkeitsunterdrückung) begünstigen das Tumorauftreten.
Häufig werden die Hündinnen zu spät beim Tierarzt vorgestellt. Metastasen finden sich meist in den regionären Lymphknoten, in der Lunge, in den Nieren, in der Leber und in der Milz.
Scheinträchtigkeit
Die Scheinträchtigkeit ist ein Syndrom aus psychischen und physischen Veränderungen. Sie tritt 4-9 Wochen nach der Läufigkeit auf und dauert 2-3 Wochen. Ein langes Bestehen des Gelbkörpers stellt die Ursache dar. Typische Symptome einer Scheinträchtigkeit sind: eine Anschwellung des Gesäuges mit leichter bis hochgradiger Milchsekretion, Unruhe, Nestbau, das Umhertragen und Hüten von Spielsachen. Ablenkende Maßnahmen, wie Bewegung, Änderung der Fütterungsgewohnheiten und das Wegräumen von Spielsachen sind eine einfache, aber hilfreiche Therapie. Auf jeden Fall sollte das Ausmelken des Gesäuges unterlassen werden, da sonst die Milchbildung angeregt wird. Bei einer ständig wiederkehrenden Scheinträchtigkeit ist eine Kastration zu empfehlen.
Geburt und Geburtsstörungen
PHYSIOLOGIE DER GEBURT
Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer einer Hündin beträgt (61) - 63 - (65) Tage. Die beträchtliche Schwankungsbreite von 59-68 Tagen wird durch den Deckzeitpunkt, die Welpen- und Wurfgröße, sowie durch hormonelle Wechselwirkungen zwischen Mutterhündin und Welpen verursacht. Ein zuverlässiger Parameter für die nahende Geburt stellt der Verlauf der Körpertemperatur dar. 8-10 Tage vor der Geburt fällt die Temperatur auf 38°C (hypo-therme Phase).Durch die Zurückbildung des Gelbkörpers einen Tag vor der Geburt kommt es zum plötzlichen Temperaturabfall auf 37°C.
GEBURTSABLAUF
Öffnungsphase: Dem abrupten Temperaturabfall folgt ein rascher Temperaturanstieg. Dieser kennzeichnet den Geburtsbeginn. Die Hündin wird unruhig, sie hechelt vermehrt, baut ein Nest und frißt schlecht oder gar nicht. In dieser 6-12 Stunden dauernden Phase weitet sich der Muttermund und es kommt zur Verflüssigung des Schleimpfropfes .
Austreibungsphase: Tritt der erste Welpe in den Muttermund ein, kommt es durch die Dehnung zur reflektorischen Auslösung der Bauchpresse. Die ersten Preßwehen werden sichtbar. Die Geburtsintervalle betragen in der Regel 15- 30 min-(2 h). Ist die Geburt des letzten Welpen bereits mehr als 2-3 Stunden her, sollte man einen Tierarzt aufsuchen. Durch die Anstrengung der Geburt steigt die Temperatur an. Eine komplikationslos ablaufende Geburt dauert ca. 12 Stunden.
GEBURTSSTÖRUNGEN
Wichtige Kriterien sind:
- Eine verlängerte Trächtigkeitsdauer (mehr als 72 Tage = Übertragen) ist meist auf eine Einfrüchtigkeit zurückzuführen.
- Auch massive Verzögerungen des Geburtsablaufes stellen eine häufige Todesursache der Welpen dar. So sollte man den Tierarzt aufsuchen, wenn die Geburt 24 Stunden nach der Öffnungsphase noch andauert, wenn seit der Geburt des letzten Welpen mehr als 2-3-(4) Stunden vergangen sind. Meist werden diese Verzögerungen durch Lage-/ Stellungs-/ Haltungsanomalien oder Mißbildungen der Welpen verursacht. Aber auch Erschöpfung des Muttertieres und Gebärmutterüberbeanspruchung sind häufig Ursache für Geburtsstockungen.
- Kommt es trotz intensiver Bauchpresse (länger als 30 Minuten) nicht zum Ausstoßen eines Welpen, werden die Preßwehen durch eine zu große Frucht oder durch Fehllagerungen blockiert.
- Ist das Fruchtwasser vor der Geburt des ersten Welpen schon grünlich, ist das Überleben der Welpen gefährdet oder sie sind bereits tot. Gebärmutterriß, Gebärmutterdrehung, Fettleibigkeit können Ursache sein.
- Blutig stinkender Scheidenausfluß kann durch Verletzungen oder bakterielle Infektionen entstehen.
- Ein schlechter Allgemeinzustand mit Fieber, Apathie, starken Bauchschmerzen, übermäßigem Hecheln, Muskelzittern und Vernachlässigung der Welpen können durch eine Gebärmutterdrehung verursacht sein. Das Tier muß unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden.
Folgende Untersuchungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
Durch das Einführen eines oder zweier Finger (Vaginale Palpation) kann zunächst die Weite, der Erschlaffungsgrad und die Feuchtigkeit der Scheide beurteilt werden. Durch vorsichtiges Reiben am Scheidendach kommt es zum reflektorischen Auslösen der Preßwehen. Sind die Preßwehen kräftig, aber die Geburt geht trotzdem nicht voran, liegt eine Störung vonseiten der Frucht vor.
Der Tierarzt kann mit Hilfe eines Scheidenspekulums (Vaginoskopie)den Öffnungsgrad des Muttermundes und eingetretende Fruchtteile beurteilen.
Das Röntgen sollte immer in zwei Ebenen erfolgen, um genaue Aussagen treffen zu können. Beim Röntgen können die Geburtsreife (Verknöcherung der Hand- und Fußwurzelknochen), Geburtshindernisse (Lageanomalien, Mißbildungen ausgehend von der Frucht) und emphysematöse Veränderungen (abgestorbene aufgegaste Welpen) sichtbar gemacht und beurteilt werden.
Mit dem Ultraschall wird die Herzfrequenz gemessen und so die Vitalität der Welpen beobachtet.
GEBURTSHILFLICHE MASSNAHMEN
Hat die Hündin noch keinen Welpen geboren und ist sie bei gutem Allgemeinbefinden so kann noch etwas abgewartet werden. Liegen jedoch Unregelmäßigkeiten von Seiten des Muttertieres (Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden) oder der Früchte (Ultraschall kann keine oder kaum Herztöne messen) vor, ist immer sofort ein Kaiserschnitt durchzuführen.
Ist bereits ein Welpe geboren und liegt eine sekundäre Wehenschwäche (Erschöpfung des Muttertieres) vor, versucht man durch eine Oxytocingabe die Geburt fortzuleiten. Auf jeden Fall sollte man einer Hündin während der Geburt kleine energiereiche Happen (Traubenzucker, Honig) zur Verfügung stellen. Ist diese Behandlung (Oxytocin) erfolglos oder liegt eine Fehllagerung der Welpen vor, ist ebenfalls ein Kaiserschnitt durchzuführen.
OXYTOCINGABE
Oxytocin gehört nur in die Hand eines Mediziners. Der Mißbrauch dieses Medikamentes ist weit verbreitet. Bei unkontrollierter Gabe kann es schnell zu Gebärmutterrissen kommen. Wie kommt es dazu? Das Hormon Oxytocin greift an den Muskelzellen der Gebärmutter an und verursacht dadurch eine Kontraktion (ein Zusammenziehen). Liegt jetzt ein Welpe falsch und versperrt den Geburtsweg preßt die Gebärmutter immer wieder dagegen an. Irgendwann ist der Druck und die Kraft so groß, daß es zum Platzen kommt. Die Hündin verblutet nach innen.
Anatomie und Physiologie des männlichen Geschlechtsapparates
Die paarig angelegten Hoden liegen in einer Ausstülpung der Bauchhöhle im Zwischenschenkelspalt. Sie sind sowohl Produktionsort von Keimzellen (Spermien) und Hormonen (Testosteron).
Der Nebenhoden wird durch den 5-8 Meter langen Nebenhodenkanal gebildet. Hier erfolgt die Reifung und der Transport der Spermien.
Mit Hilfe eines Muskels können der Hoden und der Nebenhoden bei Temperaturschwankungen an den Körper herangezogen (Erwärmung) oder von ihm fortgelassen (Abkühlung) werden.
Der Samenleiter zieht zusammen mit Gefäßen, Nerven und Muskel durch den Leistenkanal. An seiner Mündung in die Harnröhre befindet sich die Samenleiterampullendrüse.
Diese produziert zusammen mit der Prostata ein Sekret, das gemeinsam mit den Spermien das Ejakulat bildet. Die Prostata liegt der Harnröhre auf und umfaßt sie.
Der Penis des Rüden enthält einen Penisknochen, der wichtig für den Begattungsakt ist.
HODENABSTIEG UND KRYPTORCHISMUS
Embryonal sind die Hoden am hinteren Nierenende angelegt. Zur Geburt befinden sie sich am mittleren Leistenspalt. Der Hodenabstieg beginnt am 3.-10. Tag. Zum Ende des zweiten Lebensmonats liegen die Hoden normalerweise im Hodensack. Wichtig ist, daß die Hoden bis zum Eintritt der Pubertät spontan in den Hodensack zurückgezogen werden können.
Erfolgt der Hodenabstieg unvollständig spricht man von Kryptorchismus (Verborgenhodigkeit). Beim Kryptorchismus liegen einer oder beide Hoden in der Bauchhöhle oder im Leistenspalt. Die im Bauch liegenden Hoden produzieren keine Spermien, da die Temperatur zu hoch ist. Die Hormonproduktion läuft allerdings ungestört ab. Rüden mit Kryptorchismus neigen zu tumeröser Entartung der Hoden (ab dem 8. Lebensjahr). Außerdem können betroffene Hunde vermehrt boshaft sein. Kryptorchismus wird meist vererbt. Anatomisch ist er durch einen zu engen Leistenkanal, zu große Hoden, Verklebungen oder durch einen zu kurzen Samenstrang bedingt. Betroffene Rüden sind umgehend von der Zucht auszuschließen.
ENTZÜNDUNGEN
Hodengewebsentzündung (Orchitis)
Eine Orchitis ist meist Folge eines Traumas oder einer hämatogenen Infektion. Häufige Infektionserreger sind Bakterien, wie Staphylokokken, Streptokokken oder Coli-Keime.
Eine Deckinfektion stellt die Hundebrucellose dar. Typische Entzündungssymptome, z.B.: Schwellung, Wärme, Schmerzhaftigkeit, Fieber und gestörtes Allgemeinbefinden können auftreten. Nach hämatogenen (auf dem Blutweg) Infektionen ist meist mit einer irreversiblen Unfruchtbarkeit zu rechnen.
Präputiumentzündung (Präputialkatarrh)
Diese Erkrankung kann ganz unterschiedliche Grade erreichen. Sie wird beim Rüden jedes Altes beobachtet. Das gelblichgrüne ständig tropfende Sekret ist meist Ärgernis eines jeden Rüdenbesitzers. Therapeutisch ist diese Erkrankung kaum zu beeinflussen. Spülungen verschaffen meist nur vorrübergehende Besserung.
Prostataentzündung (Prostatitis)
Das stark gestörte Allgemeinbefinden mit Fieber, Inappetenz, Bewegungsunlust, abtropfen von eitrigem Exsudat (Ausfluß) aus dem Penis ist bakteriellen Ursprungs. Antibiotika stellen hier die Therapiemöglichkeit dar.
MISSBILDUNGEN
Mit Entwicklungsstörungen der Samenkanälchen, verringerter Hodengröße und weicher Hodenkonsistenz ist die angeborene Kleinhodigkeit verbunden. Die Deckfreudigkeit und die Begattungsfähigkeit sind meist ungestört.
Zunächst gesunde funktionstüchtige Hoden können sich nach einer Verletzung oder Entzündung verkleinern (Hodenatrophie). Die Schädigung kann vorübergehend oder bleibend sein. Die Deckfreudigkeit ist meist ungestört.
Am Präputium kann es zu Verengungen der Vorhaut (Phimose) kommen.
TUMORE
Von einem Prostatatumor sind ältere Tiere betroffen. Dieser Tumor zeigt ein stark infiltratives Wachstum in die Harnblase und Harnröhre. Da er häufig zu spät erkannt wird, sind bereits Metastasen in Lunge, Lymphknoten und in den Lendenwirbeln zu finden. Die Prognose ist sehr schlecht. Eine Kastration kann vorübergehende Besserung schaffen.
Zwischenzelltumor, Seminome und der Sertolizelltumor sind Entartungen des Hodengewebes.
Der Sertolizelltumor verursacht durch eine vermehrte Östrogenbildung eine Feminisierung (Verfraulichung) des betroffenen Rüden.
GUTARTIGE PROSTATAVERGRÖSSERUNG
Diese meist mit Verstopfung und schmerzhaften Stuhldrang einhergehende symmetrische Vergrößerung der Prostata tritt häufig bei älteren Rüden auf. Hormonveränderungen verursachen diese gutartige schmerzlos palpierbare Umfangsvermehrung. Eine Kastration stellt hier die Behandlungsmethode der Wahl dar.
Karen Kriegler
Tierärztin und Musher
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