Quelle: The Anchorage Daily News Magazine / Übersetzung: ki/lu
Unter großer Anteilnahme wurde der Vater des Iditarods, Joe Redington, zu Grabe getragen. Er verstarb im Alter von 82 Jahren an Krebs. Joe Redington hat durch sein hohes persönliches Engagement den Schlittenhundesport in Alaska und besonders das Iditarod in den siebziger Jahren wiederbelebt, als das Snowmobil dabei war, das traditionelle Fortbewegungsmittel der Alaskaner, den Schlittenhund, massiv zurückzudrängen.
Aus diversen Publikationen, die dem DSSV freundlicherweise direkt aus Alaska durch Claudia Bohne zur Verfügung gestellt wurden, haben wir Teile seiner interessanten Biographie und seines "Way of Life" nachgezeichnet.
Am 1. Februar 1917 wurde Joe Redington in Oklahoma geboren. Durch den ständigen Arbeitsplatzwechsel seines Vaters waren die Redingtons nie fest mit einem Wohnort verwurzelt. Durch die damit verbundenen Schulwechsel mochte Joe die Schule nie sonderlich. "Wenn ich mal zur Schule ging, las ich jede Menge Bücher. Meistens Bücher über Alaska, natürlich Jack London aber auch Reiseberichte und was sonst noch mit Alaska zu tun hatte." In dieser Zeit las er auch zum ersten Mal etwas über Schlittenhunde und Schlittenhunderennen. Von da an war er davon besessen, selbst ein eigenes Hundeteam zu haben und in Alaska zu leben.
1934 startete Joe Redington seinen ersten Versuch, seinen Traum zu verwirklichen. Mit seinem Freund Cliff Lear und einer ausgezahlten Lebensversicherung machten sich beide auf den Weg nach Norden. Der Zwischenstopp in Las Vegas erwies sich als wenig hilfreich, da sie bei dem Versuch durch Glücksspiele ihr Kapital zu vermehren, kläglich scheiterten. Mit ein paar Dollar in der Tasche mußten sie frustriert den Rückzug antreten.
Nach dem geleisteten Kriegsdienst von Joe Redington und seinem Bruder Ray wagten sie 14 Jahre später einen zweiten Versuch. Bei seiner Ankunft in Alaska hatte Joe Redington $ 18,00 dabei, wovon $ 13,00 für den Landkauf von 101 acres in Knick drauf gingen. Die Hochzeit von Joe und Vi, die sich beide seit ihrer Kinderzeit kannten, wurde über einen Kredit finanziert.
Joe Redingtons erster Mushing Trip war die Begleitung eines alten Alaska Pioniers, den damals siebzigjährigen Lee Ellexson auf einem Teilstück des alten Iditarod Trails von rund 18 Meilen. Lee Ellexson wohnte in direkter Nachbarschaft der Redingtons und unterhielt eine Trap-Line am Little Susitna River. Lee Ellexsons Hunde waren dickpelzige Malamuten mit wolfsähnlichem Charakter. Sie transportierten die Post, das benötigte Brennholz und Wasser. Joe Redington schätzte, daß der Leithund um die 135 amerikanische Pfund gewogen hat. Diese erste Begegnung mit Schlittenhunden und die Geschichten von Lee Ellexson über den Iditarod-Trail faszinierten Joe Redington.
Ob durch Schicksal oder durch Zufall hatte Joe Redington nur einige hundert Fuß vom Iditarod Trail seine neue Heimat gefunden. "Ich war verliebt in diesen Iditarod-Trail", sagte Joe Redington. Es sollte eine lebenslängliche Liebesbeziehung bleiben.
In den nächsten Jahren erlebte Joe Redington einige unvergeßlich schöne, aber auch gefährliche alaskanische Abenteuer.
Weihnachten 1953 wollten Joe, seine Frau Vi und ihr vierjähriger Sohn Timmy von Flathorn Lake nach Knick per Hundeschlitten mushen. Von da aus wollten sie weiter nach Anchorage, Vis Eltern besuchen. Als die Redingtons ihr Zelt in Flathon verließen, hefteten sie einen Zettel mit ihrem Abreisedatum an das Zelt. Kurze Zeit später begann es so heftig zu schneien, daß nach einigen Meilen der Trail nicht mehr zu sehen war. Mit Schneeschuhen versuchte Joe als Leaddog den beiden Hundeteams einen Trail zu schaffen. Nach einigen Meilen im Schneesturm entdeckten sie eine alte aufgegebene Cabin, die sie für die nächsten Tage als Schutz nutzen konnten. Joe schoß einen Elch und machte Feuer, so daß ihr Überleben gesichert war. Die Tage vergingen und irgendwann hörten sie aus dem mitgeführten Radio, daß sie als vermißt gemeldet wurden, obwohl die Redingtons es selbst nie so empfunden hatten. "Wir wußten zwar genau, wo wir waren, aber wir konnten einfach nichts tun als abwarten." Nach einigen Tagen entdeckte ein Flugzeug das Lager der Redingtons. Doch anstelle in das gelandete Flugzeug einzusteigen, baten die Redingtons um etwas Nahrung. Nach längerer Diskussion mit dem Piloten wurde nur der Sohn ausgeflogen, Joe und Vi fuhren anschließend mit dem Hundeschlitten nach Hause.
Neben diesem Abenteuer erlebte und überlebte Joe Redington noch einige Abstürze mit den kleinen Buschflugzeugen. Durch die Nähe zu seinen mushenden Nachbarn wurde Joe Redington mit dem Hunde-Virus infiziert. Alleine oder mit seiner Frau unternahm er weite Touren. Er und weiter Familienmitglieder nahmen auch am Fur Rondevousz teil, allerdings nicht mit durchschlagendem Erfolg.
1967 wurde zum 100jährigen Jubiläum des Abkaufs Alaskas von Rußland ein Rennen auf dem Iditarod-Trail ausgerichtet. Joe Redington war begeistert und half in der Organisation dieses 56 Meilen Rennens mit. Zur dieser Zeit dachten viele, daß dies das längste Rennen gewesen ist, was je organisiert wurde. Niemand dachte an ein 1.000 Meilen Rennen. Als die Schlittenhunde in den siebziger Jahren immer mehr vom Iron-Dog, dem Snowmobil, verdrängt wurden, plante Joe Redington ein Rennen von Anchorage nach Nome, um diese Entwicklung aufzuhalten. Es dauerte einige Jahre, um aus diesen Ideen ein richtiges Rennen werden zu lassen und selbst seine Familie hatte so ihre Zweifel, ob dieser Plan verwirklicht werden könnte. Joe Redington wollte sein Iditarod zum 'reichsten' Rennen der Welt machen und hatte von Anfang an ein Preisgeld von 50.000,00 $ im Sinn. Joe Redington und das gesamte Iditarod Komitee setzten alle Hebel in Bewegung, um ihren Traum zu verwirklichen. 1974 war es endlich so weit, Joe Redington war der erste Musher, der sich für das Iditarod Race anmeldete - übrigens im Alter von 57 (!) Jahren.
Trotz seiner eigenen Rennambitionen kümmerte und förderte Joe Redington immer neue Musher, die Interesse am Iditarod hatten. Er half dem 5fachen Champion Rick Swenson ebenso wie der 4fachen Siegerin Susan Butcher, die zu den Anfangszeiten in seinem Haus wohnte.
Susan Butcher, Joe Redington und der berühmte Mount McKinley Führer Ray Genet schockten die Welt, als sie den Gipfel zum 20.320 Fuß hohen McKinley per Dog-Team eroberten.
Joe Redington, der nie müde wurde für Schlittenhunde, Rennen und dem Iditarod, Werbung zu betreiben, hatte immer neue Ideen. Zum 200. Jahrestag der USA am 4. Juli 1976 spannte Joe Redington 201 Schlittenhunde ein und nahm mit dieser Demonstration 2.000,00 $ für das nächste Iditarod ein.
1981 wurden Joe Redington, Herbie Nayokpuk und Norman Vaughan, ein erfahrener Musher und Abenteurer, zu dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan eingeladen, um den Schlittenhundesport und somit eine alaskanische Tradition zu präsentieren.
Joe Redington glaubte immer, daß der Sieg von Libby Riddles im Jahre 1985 das wichtigste Ereignis für das Iditarod war. "Libby hat mehr für das Iditarod getan als jeder andere, sagte Joe Redington. Eine blonde Schönheit quält sich durch einen Schneesturm und schlägt damit alle männlichen Konkurrenten, die zurück bleiben. Der Marketingerfolg durch diesen Sieg einer Frau war perfekt. T-Shirts kamen auf den Markt mit der Aufschrift "Alaska, wo Männer Männer sind, und Frauen das Iditarod gewinnen. Fast drei Jahre später schrieb Joe Redington selbst Renngeschichte. Mit 71 Jahren fuhr er als Führender im 1988er Iditarod in Ruby ein. Großmütter auf Snowmobils und Kids im Auto fuhren zum Checkpoint, um den Volkshelden Joe Redington zu begrüßen. Sollte nach einer Frau jetzt ein Großvater gewinnen? Diese Führung war Joe Redingtons Antwort an alle die, die ihn schon abgeschrieben hatten. Leider verfehlte er den Trail, als er Kaltag verließ und so wurde er kurz vor dem Zieleinlauf von einer handvoll Musher überholt (er belegte den 5. Platz).
1993 trat Joe Redington als Rennteilnehmer zurück und widmete sich seinem Tour-Business und promotete das Iditarod Rennen mit allen Kräften. Nach fünfjähriger Abstinenz feierte er sein Comeback zum 25jährigen Jubiläum des Iditarods im Jahre 1997. Offiziell wurde er als erster Musher auf den Trail geschickt. Auch wenn er es selbst nicht wahrhaben wollte, Joe Redington wurde älter, obwohl er sich keinen richtigen Lebensabend gönnte. "Ich fühle mich nicht als 80jähriger", sagte er vor dem Rennen. Nach einigen hundert Meilen auf dem Trail war Joe Redington im hinteren Teil des Feldes zu finden. In jedem Checkpoint wurde er von seinen treuen Fans begrüßt und wo immer Zeit war, mußte er von Geschichten aus alter Zeit berichten. Das Rennen geriet scheinbar mehr zur Abschiedstour, doch plötzlich weniger als 300 Meilen vor dem Ziel, schien alle Müdigkeit von Joe Redington verflogen zu sein. Er und sein Team erhöhten die Geschwindigkeit und überholten Musher für Musher. Er belegte den 36. Platz mit der drittschnellsten Zeit in seiner Karriere. Eine riesige Menschenmenge empfing ihn in der Front-Street in Nome. "Ein tolles Gefühl, wenn man so empfangen wird."
Diese Gefühl verschwand im November 1997, als nach einigen Tests Krebs bei Joe Redington festgestellt wurde. Er hatte nur noch eine Lebenserwartung von einigen Monaten. Krebs, dieses Wort machte ihm Angst, mehr Angst als jeder Schneesturm oder jeder Flugzeugabsturz. Diese konnte er ignorieren, den Krebs aber nicht. "Ich hatte 80 gute Lebensjahre, ich habe nichts zu bereuen." Nach der anfänglichen Depression und Angst kam der Lebenswille wieder. Er fürchtete sich nicht mehr. Fans aus der ganzen Welt wünschten ihm Glück und nahmen Anteil an seinem Schicksal. Nach einer schmerzhaften Chemotherapie im Winter war der Krebs plötzlich verschwunden. Ein dünner, aber lebensmutiger Joe Redington war zurück auf den Schlittenkufen. Im einundfünfzigsten Jahr fuhr er auf dem alten Iditarod Trail und nahm noch einige Meilen zu seinen über 200.000 Meilen auf den Schlittenkufen hinzu. Joe Redington redete davon, daß Iditarod 2000 zu fahren. Das Rennen, das er zu dem gemacht hatte was es heute ist, ein weltweit beachtetes Event, das nach wie vor als das härteste Schlittenhunderennen der Welt gilt.
Leider kam der Krebs im Frühjahr zurück und am 24. Juni 1999 verstarb Joe Redington, der Vater des Iditarods, im Alter von 82 Jahren.
Zwei Tage später wurde er im engen Familienkreis beerdigt. Eine Generalveranstaltung wurde vor dem Iditarod Hauptquartier abgehalten, wo hunderte von Fans lachten und weinten, wenn Freunde von Joe Redington Geschichten erzählten, wie er ihr Leben beeinflußt hat.
It was also a sad day in Germany, when Joe Reddington Sr. died in June 1999. All mushers of the German Sleddog Sports Federation will keep in mind, that he was one of the most famous sleddog mushers and one of the most famous sleddog breeders in Alaska and the World.
Das Präsidium des DSSV, Council of the German Sleddog Sports Federation