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Oldies but Goldies
Peter Fromm
30 Jahre Schlittenhundesport in Deutschland

Europameisterschaft "Open":
1979 1. Platz
1982 3. Platz
1984 1. Platz
1986 1. Platz
Deutscher Meisterschaft "Open":
1986 3. Platz
1987 3. Platz (n. Rangliste)

Die Redaktion des Huskies greift eine Anregung von Heinrich Stahl auf und wird in den folgenden Ausgaben, langjährige und sportlich erfolgreiche Musher vorstellen. Wir beginnen mit Peter Fromm, Bad Aibling, dem dreifachen Europameister der Klasse OFFEN und ersten deutschen Iditarod-Teilnehmer.

Sportlich einer der Höhepunkte in der Musherkarriere des Peter Fromm ist sicher die Teilnahme am legendären Iditarod-Race in Alaska und drei gewonnene Europameistertitel.

Reiner Zufall, daß Peter beim Schlittenhundesport "gelandet" ist: Peter, der als Koch in einem der besten Hotels von München gelernt hat, nimmt eines Tages den Vorstellungstermin eines Kollegen wahr, den es zwischenzeitlich zur Bundeswehr verschlagen hat und er wird Purser bei der Deutschen Lufthansa. 1964 fliegt er das 1. Mal mit einem LH-Flug über den Pol, nach Tokio – mit Zwischenlandung in Alaska, aber erst 1968 führt ihn dann der Weg zu einem Hundeschlittenrennen. Schon zwei Jahre später kam dann mit "Balto" der erste reinrassige Siberian-Husky, registriert beim American Kennel Club AKC, ins Haus. Ihm folgte Foxi, dem sein fuchsfarbenes Fell den Namen gegeben hatte und der noch im hohen Alter mopsfidel und zuverlässig den Nachwuchs antrainierte, zusammen mit Nicky. Beide (Brüder) hatten ihre Vorfahren in Sibirien, am Beringsee.

Angefangen hat alles 1970 in einem Reihenhausgarten in Bad Aibling, in Oberbayern. Die eine oder andere Nacht hat er draußen zusammen mit den Hunden den Mond angeschaut, um die nachbarschaftlichen Beziehungen nicht übergebührend zu strapazieren. Zu den drei eigenen dort gehaltenen Hunde werden drei weitere dazugeliehen, um so ein konkurrenzfähiges Team zu bilden. Unter großem Zeitaufwand werden die drei Leihhunde in München und Umgebung mit dem Auto abgeholt und nach getaner Arbeit wieder von Peter heimgebracht. Trainiert wird im Hofoldinger Forst, der in den frühen Achtzigern zu einem bayerischen Trainingszentrum avanciert. An manchen Wochenenden werden ca. 100 Hunden dort trainiert - die Gebrüder Nissner mit Ihren Laikis, Peter und auch Helmut und Adi Knott sind hier regelmäßig anzutreffen. In Helmut Knott findet Peter in nächster Umgebung von Beginn an einen Mitstreiter.

Peter, anfangs noch auf einem Fahrrad trainierend, hat schon bald ein umgebautes Chassy - und bei ganz schlechtem Wetter spannt er später schon mal kurzerhand 23 Hunde vor seinen Audi. Ein Markenzeichen von Peter Fromm ist die Disziplin seines Teams, die solch ein Experiment überhaupt ermöglicht – man stelle sich mal die Länge eines solchen "Gespannes" vor. Schon immer trainierte Peter meist alleine, d.h. er konnte und kann seine Hunde auf Kommando ruhig stehen lassen, bis er das Signal "Go" gibt und kein Hund rührt sich vor diesem Kommando vom Fleck! Diese Disziplin ist es, die ihm heute ermöglicht mit amtlicher Erlaubnis im Maxlrainer Forst zu trainieren, unweit von Bad Aibling.

Unter 150 Hunden hat Peter eine Hündin aus dem Zwinger of Anadyr, von Natalie und Earl Noris aussuchen dürfen – Tataga. Dann lernt Peter durch Vermittlung die gute Fee Frau Bauer aus Bad Aibling kennen, bei der Peter und die Hunde viel Platz für einen Zwinger und gastfreundliche Heimat finden. Frau Bauer versorgt die Hunde, wenn Peter Fromm durch seinen Beruf als Purser, mal wieder in der Welt unterwegs ist.

Am 21. Januar 78 kamen die ersten Welpen von Tataga und Nicky - Ipuuk und sechs weitere Welpen - im soeben gegründeten Kennel "Unalakleet" (bei Frau Bauer) auf die Welt. Wie schon beim Zwingernamen , werden künftig alle seine Hunde mit Namen geographischer Punkte in Alaska und insbesondere des Iditarod versehen (Wasilla, Yukon, Ipuuk, Nikolai, Talkitna, Tatarga, Tok). Seit 1989 nennt er seine Huskies nach großen Iditarod-Mushern: Martin Buser, Libby Riddle, Rick Swenson...

Ipuuk – ein Traumleader für Peter. Lange Jahre läuft "Ipuuken", so wird sie liebevoll genannt, als Single-Leader und auch beim Iditarod, das Peter Fromm als 23. von insgesamt 61 Teilnehmern beendet, findet sie den tief verwehten und verschneiten Trail zielsicher und ist ein Garant für’s ankommen. Angekommen ist er mit 11 seiner Anfangs eingespannten 12 reinrassigen Siberian-Huskies – allesamt mit Papieren ausgestattet und aus der gleichen Familie, mit der gleichen Mutter. Nur die Väter, Foxi und Nicki, haben sich abgewechselt. Das hatte den Vorteil, daß alle Hunde mit den gleichen Voraussetzungen ins Rennen gingen – die Pfoten, Reaktion, Freßverhalten, Fell, alles Dinge, die über ein Gelingen eines solchen Vorhabens von Entscheidung sein können. Nur wegen einer Stauchung mußte Peter einen Hund das Iditarod früher beenden lassen. Im gleichen Jahr beim "Knick 200", 2000 Meilen von Knick nach Swenson, der "Quali" für’s Iditarod, wird Peter von 35 Teilnehmern Siebter. 1989 beim "Don’s 200", auf der gleichen Strecke, kann er den Erfolg exakt mit wieder dem 7. Platz bestätigen. (Bild: Peter Fromm mit Joe Redington und Joel Kotke)

Günstig für den gesamten Rennverlauf, die vielen Tipps und Ratschläge, die Peter Fromm bei seinen ungezählten Zwischenstops und Aufenthalten in Alaska von seinen Freunden aus der dortigen Szene erhält, wie auch das Sponsoring seines Arbeitgebers, der Lufthansa, die seine Hunde von Frankfurt aus nach Alaska fliegt. Trotzdem war das alles ein enorm hoher finanzieller Aufwand.

Alleine die Ernährung der Hunde ist eine Wissenschaft für sich, die zu diesem Zeitpunkt nur wenige Musher aus unseren Breitengraden beherrschen. Kein anderer Musher widmete sich so dieser Frage und jeder, der sich die Zeit nimmt und ernsthaftes Interesse zeigt, findet in Peter einen Lehrer. Seit 1980 zeichnet er die gesammelten Erkenntnisse über die Arbeit mit seinen Hunden in einem Tagebuch auf. Zahlreiche Flaschen, Dosen und Gläser säumen das Bord des Schuppens hinten am Zwinger – vollgestopft mit Vitaminen, echtem Lebertran und wertvollen Ölen. Erfolgreiche Musher setzten auf Hunde vom Zwinger Unalakleet. "Beginner" brachten Peters Hunde sportlich weiter (Manfred Seif, Iwan Schmid, Heini Winter, Gerd Bittl...).

Erdbeeren und frische Mangos im Dezember, mal eben mitgebracht von einem Flug oder Weißwürste nach dem Training. Bei Frau Bauer haben Peter und seine Besucher einen gemütlichen Platz nach getaner Arbeit gefunden und noch heute ist die neue Zwingeranlage unweit der alten. Nach der Hofübergabe, zehn Jahre nach der Zwingergründung, war das Interesse des neuen Hofeigners an Hunden nicht mehr gegeben. Zwar war anfangs der Förster gegen die neue Anlage, die zusammen mit einem romantischen Holzhaus auf einer Waldlichtung gegenüber des alten Zwingers liegt, doch mittlerweile ist es ein gutes Verhältnis mit gegenseitigem Respekt. Der dort freilebende Fuchs wird von Peter mit Futter versorgt und auf diesem Wege entwurmt. Für interessierte Besucher Peters dort untergebrachter 20 Alaskan-Huskies, hat er ein Schild aufgestellt, auf dem die artgerechte Hundehaltung erklärt ist und angeboten wird, bei Fragen anzurufen oder sich zu einem gemeinsamen Training zu verabreden.

Die Öffnung der Skandinavischen Länder für den Schlittenhundesport findet Peter eine "gute Sache" – "man kann unendlich viel Spaß mit unserem Sport in diesen Ländern haben". "Landschaftlich einfach gigantisch", urteilt Peter. Sie stehen Alaska nicht nach.

Viele Pokale, Ehrungen und Fotos (auch ein Bild über seinen KO-Sieg beim Boxen) erinnern an die eingefahrenen Erfolge. Sicher haben die Telefonate mit den Freunden in Alaska auch nach seiner Pensionierung vom Flugdienst nicht abgenommen. Die Freunde dort, die alaskanischen Musher, sind laut Peter, die nettesten und gastfreundlichsten Menschen der Welt.

Im Schlittenhundesport hat Peter den Ruf als absolut fairer Musher, der sich allen Neuerungen gegenüber immer geöffnet hat, aber auch genau so offen seine eigene Meinung vertritt. Den schwärzesten Tag seiner Sportlaufbahn erlebte er 1993, als er im Training sein Team und beim nachfolgenden Sturz, das Bewußtsein verlor. Dem Krankenhausaufenthalt folgte eine Trainingspause, doch mit großer Willenskraft und der Begeisterung für seine Hunde ist er wider zurückgekommen in den Rennzirkus. Schon lange sieht man ihn nicht mehr mit seinem legendären roten Ford-Bronco. Jetzt geht es etwas ruhiger, aber wenn er startet, ist Peter, der für den Verein Mushing Langerringen startet, in der Königsklasse "Open" am Start.

Als Schlußwort wünscht sich Peter die Aussage von Jeff King, dem 3-fachen Iditarodsieger zu veröffentlichen:

"I can’t imagine not having dogs, but i can imaginenot racing."

Die gesamte Redaktion und alle Sportkollegen wünschen Dir weiterhin Good Mush, Peter und das Du bei den Worten von Jeff King noch lange weghörst!

Idee: Heirich Stahl
Regie: Christa Grimminger, Eric Paul
Drehbuch: Maike Nitschke
Nach einer Erzählung von Peter Fromm